p2mbMein Kunde betreibt seit dem Jahre 1998 einen Pentium II / 32MB RAM /3 GB Seagate HDD der rund um die Uhr läuft. Mit der in diesem PC eingebauten seltenen ISA-Controller-Karte wird, unter Mitwirkung von Windows NT und Spezialsoftware die SPS der Galvanikstrasse mit auftragsbezogenen  Pozessparametern gefüttert. 14 Jahre war dieser PC der rauen Umgebung (ätzende Chemikalien) eines Galvanisierbetriebs ausgesetzt. Die Spuren waren deutlich erkennbar: überall Rost und eine widerlich klebrige Patina bestehend aus Chemikalienkondensaten. Der PC Doktor wurde beauftragt sich des PCs anzunehmen und das Leben des Geräts zu verlängern, denn die Abstürze durch Bluescreens unter Windows NT häuften sich. Die Modernisierung der Galvanikanlage wird erst in einigen Jahren in Angriff genommen und diese Zeit galt es noch zu überbrücken....

 Nun, da ich es mit alter ISA-Technik zu tun hatte, wurden erst einmal sämtliche BIOS Einstellungen abfotografiert um, ggf. nach einem CMOS Reset die Interrupts wieder einstellen zu können. Nun wurde das Gehäuse zerlegt sowie Festplatte, Floppy-Drive und CD-Rom Laufwerk ausgebaut. Die Festplatte wanderte sofort in meinen PC und wurde auf eine 4GB CF-Karte geklont, um zukünftig ein Backup der Software zur Hand zu haben. Mittels IDE zu CF-Card-Adapter wird dann bei einem Festplattenausfall einfach die CF-Card in einen IDE-Anschluss ans Mainboard gesteckt. Eine preiswerte Methode, wie ich befinde, um alte Systeme am Laufen zu halten.

Nun ging es ans Eingemachte: Bei der Inspektion des Mainboards, stellte ich fest, das drei Elektrolytkondensatoren der 5-Volt Spannungsversorgung das Zeitliche gesegnet hatten. Und die Drossel sah auch nicht mehr vertrauenserweckend aus. So begann ich, auch das Mainboard auszubauen, um die fehlerhaften Kondensatoren auslöten zu können. Dank Multilayerplatine ist dies gar nicht so einfach (auf den Tausch der Drossel wurde verzichtet, weil der Verlust des Lacks kein Problem darstellt).

Denn man bekommt das Lötzinn so gut wie gar nicht aus den Löchern. Hier helfen nur viel Geduld und eine mit dem Lötkolben geheizte Nähnadel.

Nach der Aktion sind die neuen Elkos am Platz und glänzen in voller Pracht. Also Mainboard einbauen, Strom und Monitor anschließen, einschalten und durchatmen. Ich vernehme das Beep des erfolgreichen BIOS-Selbsttest (Postcode 00) und sehe, wie die Maschine ein Bild auf dem Monitor ausgibt. Operation gelungen, Patient lebt! Doch was ist das? Ich vernehme kein Surren vom Prozessorkühler! Also ein Blick in die Kramkiste, ein gezielter Griff, und ich halte einen vier Zentimeter großen Lüfter in der Hand, der wunderbar als Ersatz geeignet ist und prompt eingebaut wird.

Nun kommen wir zur Inspektion des Netzteils. Ich öffne es und schaue rein. Ich sehe ein wenig Staub jedoch keinerlei Schmauchspuren oder gar dicke Elkos. Man könnte sagen: "Das Netzteil sieht von innen aus wie ein Traum, wenn man von den rostigen Stellen am Gehäuse mal absieht." Also begann ich, das Relikt aus einer anderen Zeit, wieder zusammen zu bauen. Ein neues CD-Rom-Laufwerk und ein neues 3,5"-Floppylaufwerk wurden ebenfalls verbaut. Denn die Rostschäden waren so erheblich, dass die Geräte die Funktion wahrscheinlich schon vor langer Zeit eingestellt haben. Nach dem Einbau  der Grafik und der ISA-Karte wagte ich einen ersten Startversuch. Mit Erfolg! Das System startete durch, die Steuersoftware wurde gestartet und bestand den ersten 24-Stunden-Marathon ohne Bluescreens! Mein Kunde gab mir heute die Rückmeldung, dass die Maschine wieder läuft und mit der Klöckner Möller SPS wieder einwandfrei kommuniziert.

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